
Harald Riegg, Emma 23 25. September 2025
Die Durstrecke der Sommerpause ist vorbei und Harald Riegg liest wieder. Die literarische Reise geht von der Nachwendezeit über Wien bis zu einem Känguru. Besonders erfreulich: Harald Riegg liest eine eigene neu Kurzgeschichte.
Hurra – endlich ist die Sommerpause vorbei und Harald Riegg liest wieder. Los geht es mit Daniela Kriens „Die Liebe im Ernstfall“. In dem Buch geht es um fünf Frauen in der Nachwendezeit. Harald liest über Malika, die zeitlebens im Schatten Ihrer jüngeren Schwester steht. Dazu hat ihre Mutter Sex mit anderen Männern. Am Abend der Maueröffnung im Salon der Wohnung der Familie. Die musikalisch begabte Malika rebelliert, indem sie nicht am Landesmusikwettbewerb teilnimmt. Der Tag geht in die Familiengeschichte als der Tag ein, indem Malika ihr Leben zerstörte. Sie schließt ihr Musiklehrerstudium mit Bestnoten ab. Ihre Mutter ist einfach enttäuscht. Malika schließt sich mit einem Migräneanfall mehrere Wochen in ihrer Wohnung ein. Als eine Bekannte sie ungepflegt und angewachsenem Bauch beim Einkaufen sieht, sagt sie „Ich bin nicht schwanger sondern einfach fett“.
Amüsanter geht es mit Robert Seetalers „Das Café ohne Namen“ weiter. Zwei ältere Damen unterhalten sich auf eine Art, wie man es wohl nur in Wien kann. Das Thema Wanders von einer aufgefunden Farbenreiche ohne Gesicht, zu Peter O’Toole, zur eigenen Fülligkeit auch während des Krieges und wieder zurück zu Frauenleiche. Harald Riegg liest das mit wienerisch gefälltem Tonfall vor, was das Amüsmant weiter steigert. Im zweiten Stück geht es um eine Kakenkreuz, das mit einer Rohzange wohl zu einem Christuskreuz umgebogen wurde. Und Wein, der am besten aus den dünnen Gläsern getrunken werden sollte
nach der Pause präsentiert Half Riegg eine eigene neue Geschichte. Auf einer Zugfahrt hört der Erzähler zwangsweise drei Mädchen zu. Standardanrede untereinander ist „Alter“ und es geht um die Vorbereitung für den nächsten Rave. Ohne Substanzen läuft da nichts. Als der Zug auf offener Strecke stoppen muss, rennt eines der Mädchen in eine Brennnesselfeld. Während die übrigen Reisenden nach Aufforderung wieder einsteigen, verpasst das Mädchen die Abfahrt. Hier gönnt sich der Erzähler einen Moment der Schadenfreude.
Den Abschluss mach Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Chroniken“. Eines Tages klingelt es und vor der Tür steht ein Känguru. Es ist in die Nachbarwohnung gezogen und benötigt Eier für einen Eierkuchen. Es klingelt immer wieder, da es weder Salz, Milch oder Mehl im Haus hat. Auch Pfanne oder Herd fehlen, so dass der Erzähler anbietet den Kuchen ins einer Küche zuzubereiten. Hackfleisch hat er aber nicht im Haus, so dass er vorschlägt, es zu kaufen. Das Känguru möchte keines vorm Lidl.
Im weiteren Stücken ist das Känguru von einem Gedicht des Erzählers nicht besonders begeistert und Harald Riegg benutzt eine Spielzeugpistole mit Geräuschen zur Untermalung des Vorgelesenen. Seine Renitenz beweist das Känguru bei McDonalds, wo es mit Vehemenz einen Whopper bestellt. Das Sicherheitspersonal beendet den Besuch. Darauf schlägt das Känguru vor, bei Burgerking einen Big Mac zu bestellen. Den Abschluss bildet ein Stück, in dem das Känguru den migränekranken Erzähler aus Kunstwerk für eine Off-Ausstellung benützt. Der Experte ist begeistert über die angeblichen Kunstanspielungen.
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