Jenseits des Maultaschenäquators

Berlin 2.0 im Goldmark's in Stuttgart am 05.09.2025

Berlin 2.0 /GRGR, Goldmarks 5. September 2025

Mit Berlin 2.0 hat Stuttgart wieder so was wie eine Konsensband. Die Vorstellung des neuen Album im „legendären“ Club der Stadt ist ein kleiner Triumphzug. Vorband GrGr präsentiert gekonnt Retrosounds.

Uih – ausverkauft steht auf dem Schild am Eingang und drinnen ist es auch schon richtig voll, während der Eröffnungskünstler GrGr spielt. Im Vergleich zur Albumpräsentation 2023 im Container am Nordbbahnhof haben Berlin 2.0 sichtlich an Popularität zugelegt. Aber der Reihe nach und mit zurück zur Vorband. GrGR ist eine Ein-Mann-Band aus München. Neben Keyboard und Gesang spielt der junge Mann gelegentlich auch Gitarre. Je nachdem, ob es sich um ein Lied mit deutschen oder englischem Text handelt, klingt das nach DAF oder frühem englischen Wave. Wenn er sich stimmlich richtig ins Zeug legt. Erinnert das dann auch an Erasure.

GrGr aus München auf der Goldmark’s Bühne
Die kurze Hose bricht das BWL-Image

Ich finde das interessant und abwechslungsreich und auch das Publikum reagiert freundlich. Mich verwirrt leicht das Erscheinungsbild des Künstlers. Auf dem Foto auf der Bandcamp-Seite sieht das mit den gefärbten Haaren nach Wave aus. Beim Auftritt in Stuttgart könnte er mit dem adretten Kurzhaarschnitt und der Brille glatt als BWL-Student durchgehen. Aber das sind unwichtige Oberflächlichkeiten und ein Lied gegen Arbeit hat er auch im Programm. Weiter so.

Wie schon eingangs erwähnt, ist das Konzert ausverkauft und die Leute stehen dicht gepackt. Das Publikum wartet auf den Beginn und die Spannung ist fast schon zu spüren. Dazu passt dann, dass Berlin 2.0 das Set mit „Keine Erlösung“ – natürlich einem Song vom neuen Album Kaltental – eröffnen. Die Band macht da weiter, wo sie beim Vorgängeralbum Scherbenhügel aufgehört hat. Intensiver Postpunk mit deutschen Texten, den die Band Deathpop nennt. Die inzwischen vollzogenen Besetzungswechsel spielen soundmäßig offenbar keine Rolle.

Zentrum des Geschehens bei Berlin 2.o ist Sängerin Ele
Gitarrist und Bassist sind- glaube ich – beide neu

Live sind die Gitarren verzerrter und haben mehr Volumen, dadurch wird der Sound rauher und fetter als auf Platte. Dreh- und Angelpunkt ist Sängerin Ele, deren Stimme meist über den Songs schwebt. Ansagen macht ausschließlich sie und der Zusammenhang in dem sie den Ausdruck „Jenseits des Maultaschenäquators“ benutzt, fällt mir leider nicht mehr ein.

Blick in die ersten Reihen vor der Bühne
Der andere Gitarrist glänzt mit unglaublicher Haarpracht

Viel Bewegung ist im Publikum während dem Konzert nicht auszumachen. Die Ausnahme ist eine Traube vor der Bühn, die vorwiegend aus Frauen besteht. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es den Leuten sehr gut gefällt. Das liegt auch daran, dass ich immer wieder Fans ausmache, die die Texte mitsingen. Insbesondere als dann Lieder vom ersten Album gespielt werden. Direkt hinter mir steht ein Pärchen, das dabei sehr verzückt aussieht. Ich habe noch richtig Lust auf das Konzert als es relativ überraschend zu Ende ist. Die Band geht von der Bühne und lässt sich nicht zu einer Zugabe bewegen.

Stageacting von Ele
der Auftritt fordert Tribut in Form von Schweiß

Heutzutage wird ein Konzert mannigfach gefilmt und fotografiert. Wer nicht da war oder in Erinnerungen schwelgen will, findet auf YouTube viel. So hat Walter Wonniger das komplette Konzert gefilmt. Kalle Stille hat Clips von Salamanderin und Jahr ohne Immer + Benzoheart eingestellt. Von GrGR hat er auch Ausfahrt und Blue hoch geladen. Von Plattenschau gibt es Tür und Angel von GrGr und Keine Erlösung sowie 1789 von Berlin 2.0.


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