
Harald Riegg, Emma 23 27. November 2025
In seiner letzten Lesung im Jahr 2025 trägt Harald Riegg aus Werken von David Sedaris, John Niven und eine eigene Geschichte vor. Ein Gedicht von Erich Mühsam rundet den Abend ab.
Unglaublich wie schnell ein Jahr vorüber ist und die letzte Lesung für 2025 von Harald Riegg steht an. Nachdem die musikalische Einstimmung bei der vorangegangenen Lesung gut ankam, startet dieser Abend auch mit einer. Es ist die Stimme einer mongolischen Obertonsängerin, die erklingt. Die Musik stammt nicht wie von einem Anwesenden vermutet von Michael Cretu.
Die eigentliche Lesung startet mit David Sedaris „Holidays on Ice“, einer Geschichtensammlung zu Weihnachten. Es geht um eine unglaublich reiche amerikanische Familie, die dem Konsum frönt und das auch gerne zur Schau stellt. Der Ärger beginnt, als eine Familie ins Nachbarhaus zieht, Die ist offenbar nicht ganz so betucht, trotzdem versuchen sich die beiden Familien gegenseitig zu überbieten. So werden die Weihanchtsgrußkarten immer opulenter und diverse Anbauten an den Häusern entstehen, bis sie praktisch aneifern gewachsen sind. Das alles wird mit einem herablassenden Tonfall vom Familienvater der ursprünglichen Familie erzählt. Als er einen Bettler verjagt, indem er ihm ins Bein beisst, da die eigenen Hunde an Tahnkgiving zu voltgefressen sind, geschieht etwas unglaubliches. Der Bettler wankt zum Nachbarhaus und die Familie schenkt ihm eine Dollar und fotografiert das. Damit sind sie die großzügigen Stars in der Nachbarschaft.
Es entwickelt sich ein Schenk-Wettkampf zwischen den beiden Familien und der Bettler wird in den folgenden Jahren mit Gütern überhäuft. Die mobile Sauna der Nachbarn toppt die Familie, in dem sie dem Bettler die Söhne schenkt. Der Wettstreit überbietet sich immer weiter und auf einen Blutspendemarathon der einen Seite, reagiert die andere mit eine gespendeten Lungenflügel. Worauf weitere Körperteile der anderen Familie gespendet werden. Die abstruse Geschichte ist in einem lakonischen Tonfall gehalten, den Harald kongenial umsetzt. Eins ums andere Mal lacht das Publikum, auch wenn die Anlass sehr makaber ist. Den sarkastischen Schluss lese jeder selbst.
Vor der Pause trägt Harald Riegg noch das Gedicht „Der Revoluzzer“ von Erich Mühsam vor. In dem mach er sich über einen sozialdemokratischen Lampenputzer lustig, der partout keine Barrikaden mit Straßenlaternen bauen will. Das Werk wurde mehrfach vertont unter anderem auch von Slime auf ihrem Album „Sich fügen heißt Lügen.“
Nach der Pause liest Harald Riegg das eigene Werk „Blutsbrüder“ aus der Anthologie „Echt nur Spaß“. Nachdem man im Dorfkino einen Western gesehen hat, will die Jungs-Clique auch Blutsbrüderschaft schließen. Der großmäulige Schläger der Gruppe Übertritt es und versetzt sich selbst einen tiefen Schnitt. Nach einer Ohnmacht wegen Blutverlust schleppen ihn die anderen zum Arzt. Der glaubt nicht an einen Unfall.
Der Abend schließt mit „Alte Freunde“ von John Niven. Der Erzähler, Alan erfolgreicher Gourmet-Kritiker aus der gehobenen britischen Mittelschicht, nimmt einen obdachlos gewordenen Schulfreund bei sich auf. Im ersten Stück beschreibt er, wie die Nachbarin ausflippt, weil die Kinder an einem Abend alleine wenige Meter von einem Haus zum anderen laufen.Gekonnt nimmt Alan ihr mit entwaffnender Freundlichkeit den Wind aus den Segeln, innerlich überzieht er sie mit diversen Schimpfwörtern. Er bringt die Kinder mit seinem Freund zur Privatschule und der Freund ist bass erstaunt, was die kostet. Für Allan ist das die Gelegenheit sich Gedanken über seine so verschiedenen Kinder zu machen, obwohl sie unter gleiche Umständen aufgewachsen sind. Das reicht von umgänglich, über dünnhäutig bis zur selbstsicheren Tochter, die sich mit allen anfreundet aber über keine Kommunikationsfähigkeit verfügt. Etwas worüber Harald Riegg garantiert verfügt. Mal sehen, welche Literatur er in dem Lesungen 2026 den Zuhörern näher bringt.
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