Zurück in die 90er

The Good, The Bad and the Zugly im Substage Karlsruhe 06.02.2025

Gluecifer / The Good, The Bad and The Zugly, Substage 06. Februar 2026

Zu den großen Bands der skandinavischen Kick Ass-Rock’n Roll-Welle der späten 90er und frühen 200er gehören definitiv Gluecifer. Die Tour zur neuen Platte ist eine gute Gelegenheit, um zu sehen, was vom alten Feuer bei der Band noch brennt.

Bei der Ankunft habe ich das Gefühl in die Vergangenheit gereist zu sein. Die Musik hört sich stark nach einem Turbonegro-Cover an und überall laufen Leute in Turbojugendkutten rum. Es ist dann doch kein Cover sondern der Auftritt von The Good, the Bad and the Zugly aus Oslo. Den Namen hatte ich schon mal gelesen, die Musik aber bisher nicht angehört – trotz bisher acht Alben. Die aktuelle Schiebe heißt November Boys. Man bekommt guten Kick Ass-Rock’n Roll und vor allem Refrains, die sehr stark an die besagten Turbonegro erinnern.

The Good, the Bad and the Zugly in der Totalen zum Einstieg
Gitarrist und Bassist

Das kommt bei der Turbojugend-Fraktion gut an und vor der Bühne bildet sich zeitweise ein Pit. Wichtigstes Utensil für Konzertbesucher und -innne ist aber der in die Luft gestreckte Rock-Zeigefinger. Die Band ist motiviert und der Sänger hüpft fleißig auf der Bühne rum. Gegen Ende des aAuftritts lässt er sich kopfüber in das Publikum fallen und crowdsurfed über die Menge. Die Leuchtdioden in seinen Schuhen blinken dabei lustig vor sich hin. Gute Einstimmung für den Hauptact.

Der Sänger lässt sich ins Publikum fallen
Der Sänger animiert das Publikum

Gluecifer habe ich in ihrer ersten aktiven Phase von 1994-2005 nie gesehen. 2017 haben sie sich für Reunion -Shows zusammen getan und 2026 mit Same Drug New High tatsächlich eine neue Platte veröffentlicht. Das Konzert besteht dann aus einer Mischung von Klassikern und neuen Songs. Die fallen qualitätsmäßig gegenüber den älteren Stücken nicht ab – wirklich neues gibt es aber auch nicht zu hören. Gluecifer waren vermutlich schon immer die skandinavische Band im Turbojugend-Universum, die sich am stärksten dem Rock verschrieben hat. Die Zeit hat körperliche Spuren bei Sänger Biff hinterlassen- die Stimme klingt aber immer noch nach früher.

Die Saitenfraktion von Gluecifer hat sich gut gehalten
Auch Gitarrist Captain Poon macht einen fitten Eindruck

Der Frontman hat nicht nur Lust zu singen, sondern macht zwischendurch die eine oder andere launige Ansage. Das Kokettieren mit dem eigenen Alter gehört dazu. Dazu aber auch Witze über schlechte deutsche Computer und den ersten Auftritt der Band in Karlsruhe und die Anfänge im Untergrund. Habe ich das richtig verstanden, dass der im besetzten Haus die Steffi stattfand? Anfang der 90er habe ich da das eine oder andere Konzert erlebt.

Sänger Biff mit dem wichtigen Rock-Zeigefinger
Das Publikum reckt die Rebellen-Fäuste

Insgesamt ein gutes Konzert. Mir persönlich ist der Rahmen zu groß – ein Graben vor der Bühne und Leute die das gesamte Konzert über an die Absperrung gelehnt stehen, sind nicht mein Ding. Im Takt Mitklatschen muss auch nicht sein. Wenn ich mich mit der Kamera nicht durch den Raum bewegen kann, weil alle so eng stehen, fühle ich mich weiter eingeschränkt. Aber das sind Kleinigkeiten, die ich der Band nicht zum Vorwurf mache – ich hätte halt auch mal früher hingehen können.


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