Rock’n Roll im Ghetto

Klaus Keilbach mit Band in der Emma 23 zur Lesung

Lesung Klaus Keilbach / Madison Bleed, Emma 23 14. März 2026

Teilweise berüchtigt war das Hawaii-Viertel in Heilbronn. Musiker Klaus Keilbach ruft mit der Lesung aus seinem Buch „Wir Hawaiianer vom Sülmertor“ die Erinnerung daran wach. Und erzählt die Geschichte seiner Band Madison Bleed, mit der er anschließend auftritt.

Warum das Viertel westlich der Bahngleise am Rand des Heilbronner Industriegebiets Hawaii heißt, wird auch an diesem Abend nicht geklärt. Klaus Keilbach, Autor von „Wir Hawaiianer vom Sülmertor“ ist dort aufgewachsen, weiß aber auch nicht woher der klangvolle Name stammt, wie er zu Beginn der Lesung erklärt. Der ehemalige Heilbronner Stimme-Redakteur Andreas Sommer moderiert den Abend und stellt Fragen zu Entstehung des Buches. Auf 650 Seiten hat Reibach seine Erinnerungen vom Aufwachsen im sozialen Brennpunkt festgehalten. Die hat er über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren aufgeschrieben, ohne dabei auf Tagebuch- oder andere Aufzeichnungen zurückzugreifen und 2021 veröffentlicht.

Klaus Keilbach liest aus seinem Werk
Das Publikum lauscht dich gedrängt

In zwei Blöcken liest er dann gemeinsam mit seiner Partnerin Szenen aus dem Werk vor und nimmt die Zuhörer mit durch die verschiedenen Jahrzehnte. Wir erfahren vom frühen Scheitern am Gymnasium. Da ergeht es dem jungen Klaus wie vielen Freunden aus dem Viertel, die in der Welt des bürgerlichen Heilbronns nicht zurecht kommen. Schon früh entdeckt er dann die Musik und Gitarre für sich. Bei der Post mach er noch eine Lehre, in der dann aber auch schon gerne die Mittagspause mit Bier und Haschzigaretten im Park gebracht wird und am Nachmittag nicht ehe gearbeitet wird. Statt weiter an einer beruflichen Karriere zu arbeiten, entscheidet sich Klaus Keilbach für den Weg des Rock’n Roll vorwiegend mit seiner Band Madison Bleed.

Klaus Keilbachs Partnerin leist ebenfalls
Musikalische Einlage – unplugged

In teils haarsträubenden Szenen erfährt man von chaotischen Auftritten, drogensüchtigen Bandkollegen, diversen Bandtrennungen und mehrtägigen Sauftouren. Die besuchten Kneipen haben klangvolle Name wie Palette. Andere bekannte Heilbronner Persönlichkeiten wie der Teilzeitmusiker und Rumtreiber Buddy Barabas werden beschrieben. Es entsteht das Bild eines Teils von Heilbronn, der wenig bis nichts mit dem Hauslebauer- und Krämerstadt-Klischee der Käthchen-Stadt zu tun hat. Die zahlreich Anwesenden Zuhörer im vorwiegend vorgerückten Alter quittieren die Erzählungen mit viel Gelächter und zustimmenden Nicken. Auch mich beeindruckt das Gehörte und ich beschließe das Buch umgehend zu bestellen. Wie Klaus mach der Lesung erklärt, verdient er am meisten, wenn man es direkt beim Verlag ordert.

Madison Bleed in der aktuellen Besetzung
Bassist und Keyboarder

Zwischen den Blöcken hat Klaus Keilbach einem Teil der Band akkustisch ein Stück vorgetragen. Nach der Lesung folgt nun ein kompletter Auftritt. Musikalisch bewegt sich das im weiten Feld des Blues-Rock. Ist das am Anfang noch relativ leise und zurückhaltend, wird es gegen später laute rund druckvoller.Klaus Keilbachs Gitarrenspiel ist ziemlich beeindruckend, wie ein Rockstar sieht er sowieso aus. Der Auftritt kommt auch gut an und vorwiegend weibliche Zuhörer bewegen sich dazu.

Der Saxofonist ruft Erinnerungen an die 80er wach
Klaus Keilbach im konzentrieren Gitarrenspiel

Ich glaube nicht, dass ich Madison Bleed in den vielen Jahrzehnten und diversen Inkarnationen davor schon einmal gesehen habe. Netterweise existiert eine relativ umfangreiche Webseite auf der man viel zu wechselhaften Bandgeschichte nachlesen kann. Auch diverses Songmaterial kann man anhören und herunterladen. Wenn ich mir die aufgeführte Diskographie ansehe, schient man zumindest in den ersten Jahrzehnten der Bandgeschichte wenig veröffentlicht zu haben. Mit seinem Buch hat sich Klaus Keilbach zumindest mit Buchstaben eine bleibende Erinnerung erschaffen.


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