Zwischen Bordell und Mord

Harald Riegg liest am 26.03.2026 in der emma 23 in Heilbronn

Harald Riegg, Emma 23 26. März 2026

In der März-Ausgabe seiner Lesung tischt Harald Riegg Stücke mit einer Prostituierten und den Rachetrip an der eigenen Familie auf. Dazu tatsächlich ein Gebet und erneut eine neue eigene Geschichte.

Es dauert etwas, bis klar, wird dass es in Mary Gaitskills Geschichte aus ihrem Buch „Schlechter Umgang“ um einen Bordellbesuch geht. Der Protagonist Fred wählt unter vier Frauen eine aus- Lisette. Bei dieser ersten Begegnung ist Lisette zurückhaltend und unsicher. Sie sei neu im Geschäft und wisse nicht, was zu tun sei. Fred ist so begeistert von ihr, dass er am nächsten Tag sofort wieder hinfährt. Sie reden viel und Lisette eröffnet ihm ihre Sicht auf die Freier, Die hätten keine Ahnung von Sex oder Frauen. Sie glaubten man könne einen Menschen für 150 Dollar kaufen. Das sei ein Irrtum, den sie würden die Menschen bezahlen, nicht kaufen. Auch körperlich ist Fred von Lisette beeindruck. Obwohl nicht sonderlich groß, verfügt sie über viel Kraft. Wie er ihr gesteht, gefällt ihm das sehr. Unter anderen Umständen könne er sich vorstellen, dass sich zwischen ihnen ein echte Beziehung entwickeln würde. Auch wenn Fred nachbohrt, will Lisette ihm nicht verraten, was sie neben der Arbeit als Prostituierte noch macht. Seine Unterstellung, sie sei Journalistin, die Recherche betreibe, weist sie zurück. Zum Ende des vorgelesenen Stücks haben sich die Verhältnisse zwischen Fred und Lisette umgekehrt. Sie wirkt stärker und scheine die Beziehung zu kontrollieren.

Es liegt auf der Hand, was los ist.
Harald Riegg vor seinem Publikum

Weiter geht es mit einer neuen Geschichte von Harald: „Abort“. In der Nähe wird ein Klohäuschen abgebrochen, auf dem noch der uralte Ausdruck Abort zu lesen ist. Was Erinnerungen an die Außentoilette früher weckt. Aus den Gedanken reisst ihn die Nachricht, dass die Partnerin Anne schwanger ist. Ihre Mutter eröffnet ihm, dass Sie nun Hausfrau werde und nicht er und nimmt sie mit.. Später holt sie Ihre Sachen ab. Bei der Arbeit erreicht ihn ein Anruf- Anne hatten einen Abort und das Kind ist tot. Ihm wird klar, dass Abort in allen Fälllen etwas mit Erleichterung zu tun hat.

Statt eines Liedes oder Gedichts trägt Harald heute ein Gebet vor, Dazu wählt er aus dem Film Systemsprenger ein Tischgebet der schwer erziehbaren Protagonistin aus. In dem geht es vorwiegend darum, vor lauter Hunger nicht den Nebenmann zu essen.

Den Abschluss der Lesung bildet ein Stück aus Bella Mackies „How to kill your Family“. De Protagonistin Grace sitzt unschuldig im Gefängnis und plant dort sich an der Familie ihres reichen Vaters zu rächen, der ihre Mutter hat sitzen lassen. Nach der Beschreibung des nervigen Gefängnis alltags mit übereifrigen, nutzlosen linken Weltverbesserer und ihrer Zellengenossin Kelly, die wegen Erpressung einsitzt und nicht sonderlich helle ist, erfahren wir, wie sie sich an Ihrer Halbschwester rächen will.

ich rücke Harald auf die Pelle
Hier ist nicht ganz klar, wo die Reise handtechnisch hingeht

Die ist einfach reich, oberflächlich und macht nichts aus ihrem Leben. Sie wird folglich zu einer Influencerin. Mackie nutzt die Beschreibung ihrer Aktivitäten das sinnlose Gebaren von „weißen, dütren Frauen“ beißend darzustellen. Mit bedeutungslosem Lächeln halten sie ihre Gesichter in die Kamera und posieren vor traumhaften Hintergründen. Viele legen sich dazu eine Krankheit zu, über die dann überaus offenherzig in den Posts berichtet wird. Auch ihre Halbschwester gehört dazu, die in einem dramatischen Beitragg aus dem Krankenhaus von ihrer Aprikosenallergie berichtet. Grace entwickelt den Plan ihr eine mit Aprikose präparierte Gesichtsmaske aus Perlen zu schenken. Ob der Plan aufgeht, bleibt an diesem Abend offen.


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