Weniger schlimm ist relativ

Harald Riegg liest am 30.04.2026 in der Emma 23 Heilbronn

Harald Riegg, Emma 23 30. April 2026

Von der Todesstrafe über eine Entzugsklinik und Unterhaltsproblemen bis zum Leben in einer Ashram spannen sich die Geschichten, dieser Ausgabe der Gute Nacht-Lesung. Harald Riegg hat dafür Werke von Denis Johnson, TC Boyle und eine eigene neue Geschichte ausgesucht.

Laut Harald Riegg ist es die 40. Lesung und er beginnt mir einem Werk von Denis Johnson. Aus „Der Großzügigkeit der Meerjungfrau“ liest er ein Stück aus „Die Witwe“. Ein Journalist schreibt einen Artikel über die Todesstrafe. Dafür besucht er einen zum Tode verurteilten Gefängnisinsassen. Im Gespräch ist er gegen die Todesstrafe und befürwortet ein Leben nach dem Tod. Um Gefängnis hat er geheiratet. 18 Stunden nach dem Gespräch wird er hingerichtet.

Der Journalist besucht auch die Frau. Dort stellt sich heraus, dass sie den Verurteilten belogen hatte. Statt eine Maklerausbildung zu machen arbeitet sie in einer Peepshow. Dass Sie über ihr Leben die Unwahrheit gesagt hat, erheitert sie und sie geht davon aus, dass der Mann glücklich gestorben ist.

Wir starten mit der Vorderansicht von Harald Riegg
Wir gehen zur seitlichen Ansicht – näher

Im zweiten Stück schreibt ein Mann aus einer Entzugsklinik Briefe, die er nie abschickt. So an Papst Johanne Paul II. Der Teufel sei da und rede mir ihm. An den lieben Satan schreibt, er, dass er eine große, beschissene Seifenblase sei. Er sei in der Klinik, um sich zu ändern. Im Brief an das liebe Schwesterchen beschreibt er Gesprächsrunden in der Suchtgruppe. Die Oma war als einziges Familienmitglied jemals da und hört sich die Ausführungen des Suchtberaters an. Als der erklärt. dass Alkoholismus auch in der Familie weiter gegeben kann, liest sie im gehörig die Leviten.

Vor der Pause dann erneut ein neuer Text von Harald. Wenn das so weiter geht, kommt vielleicht eine weitere Veröffentlichung zu Stande. In „Rollen“ beschreibt ein Mann, wie ihn das Jugendamt triezt. Nach einer Nacht mit Alkohol und Speed will er zu seinem Jungen, von dem er weiß er bei den Großeltern ist. Er rutscht im Keller aus und bleibt verletzt liegen. Er wird entdeckt und mit Walnüssen beworfen, auf denen er ausgerutscht ist. Es hört nur noch, dass im nicht aufgeholfen wird.

Vor der Pause soll von Rio Reiser „Bei Nacht “ gespielt werden. Doch es ergeben sich technische Probleme,, die beim anwesenden Publikum Heiterkeit auslösen. Ich glaube, es läuft schlußendlich einer anderer Reiser Song.

Wir gehen zur seitlichen Ansicht gegenüber
Und enden mit der Rückansicht

Vor der Pause hat Harald angekündigt, dass es weniger schlimm werden würde. Er liest nun aus T.C. Boyles „Good Home“ die Geschichte „Das Schweigen“. Mit ausdrucksstarken Worten beschreibt Boyle aus der Perspektive eines Aussteigers das Leben in einem spirituellen Kommune. Nur mit dem nötigsten ausgestattet leben sie in der Wüste Arizonas. Der Ich-Erzähler hat sich von seiner Familie getrennt und lebt nun mit seiner neuen jungen Frau hier. Das Leben ist entbehrungsreich: Drei Jahre, drei Monate und drei Tage muss man schweigen. Da fällt es schwer sich gegenseitig von Erlebnissen in der Natur zu erzählen. Der Schmerz aufgrund eines Griffs an einen heißen Topf kann nicht durch einen Schrei kompensiert werden. Auch Sex ist tabu. So streicht die Zeit dahin – bis eine Klapperschlange die junge Frau beißt. Ihr Bein schwillt an und sie verfällt in einen Fieberwahn. Die Gruppe lässt den Erzähler schließlich allen mit ihr in der Hütte. Kein Arzt ist anwesend, kein Telefon verfügbar, die nächste Stadt meilenweit entfernt. Das einzige Fahrzeug wurde feierlich unbrauchbar gemacht. Ich erinnere mich an Haralds Ankündigung, von wegen weniger schlimm. Aber das ist wohl relativ.


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2 Kommentare zu Weniger schlimm ist relativ

  1. oli sagt:

    Hab mich eben mal ein bisschen durch Deinen Konzert-Blog gelesen. Schöne Sache!
    Was hat es mit Harald Riegg auf sich, dass der ständig hier erscheint?

    • admin sagt:

      Wie in der Blog-Beschreibung steht: Alles, was den Autor interessiert und einmal im Monat ist die Lesung. Harald Riegg gehört übrigens mit zu den frühesten Punks in Heilbronn.

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