Verschiedene Zwänge

Harald Riegg liest in der Emma 23

Harald Riegg, Emma 23 26. Mai 2022

Von der amerikanischen Provinz über Rumänien in den 90ern bis in üble Spelunken nimmt Harald Riegg die Zuhörer auf eine literarischen Lesereise. Zumeist geht es an diesem Abend um Gewalt und Druck.

Peinlich: Harald Riegg trägt das bisher einzige Gedicht vor, das er geschrieben hat. Und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, um was es ging. An was ich mich erinnern kann, ist der Exkurs Haralds am Beginn des Leseabends zu Klassikern der Weltliteratur. Entgegen der Ankündigung in der Lesung im vergangenen Monat, wird Harald eher einen Bogen um die große Weltliteratur machen. Auch schulisch bedingt, empfindet er viele als dröge und schwer verdaulich. Womit er sich inzwischen angefreundet hat, ist das Werk Shakespeares. Wie man geschliffen eine Gewaltandrohung formuliert, ist zum Beispiel in „Die beiden Veroneser“ nachzulesen.
Etwas länger gerät eine Geschichte aus Julie Orringers „Unter Wasser atmen“. Sie spielt in der amerikanischen Provinz mit seinem Konformitätsdruck. Die jugendliche Protagonistin gibt sich selbst Ratschläge, wie sie als Außenseiterin mit den Anfeindungen und Demütigungen ihrer Mitschüler zwischen Highschool, Tanzschule und Mall umgehen soll. Wer zu gut tanzt und nicht zur angesagten Clique gehört, wird gnadenlos niedergemacht.

Harald Riegg und das Publikum in der Emma 23
Die Emma ist während der Lesung gut gefüllt
Publikum während der Lesung
Die Zuhörer sind konzentriert

Jetzt fällt mir auf, dass ich mich drei Tage nach der Lesung an die genaue Reihenfolge nach der Pause nicht mehr erinnern kann – nur noch was gelesen wurde. Haralds eigene Kurzgeschichte über seine Reise nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Michael Jackson Konzert nach Bukarest, damit davon ein Bootleg produziert wird, kenne ich aus seinem Buch „Stärkere als du“. Hier bleibt vor allem das schikanöse Verhalten der rumänischen Ordnungskräfte hängen.

Unterhaltsam bis wirklich lustig wird es beim Auszug aus „Harold“ des Autors Einzelkind (sic). Der muss sich um den frühreifen Melvin kümmern, ich glaube elf ist der. Der bugsiert ihn in einen völlig herunter gekommenen Pub, um dann die Trinker dort mit Sprüchen, wie „Sind dein Vater und deine Mutter Geschwister?“ zu beleidigen. Die anstehende körperliche Auseinandersetzung solle die Aufsichtsperson erledigen. Hier musste ich mehrmals Lachen.

Dann noch ein Geschichte aus Haralds eigenem Werk Lesezeichen. Die handelt von der Begegnung mit einer Frau und ihrem Bierkasten im Bus. Sie erzählt ihm ungefragt von ihrer verstorbenen Partner. Die einzige Geschichte an diesem Abend, de nicht von Zwängen handelt.
Publikum an Lesetermin ist übrigens bunt gemischt. Überraschend viele junge Leute darunter. Entgegen der weit verbreiteten Gerüchte, hängt die Jugend nicht komplett am Smartphone oder streamt Serien.

Harald Riegg auf der Bühne
Harald Riegg eingerahmt von sehr jungen Zuhörern
Die gelesenen Werke
Die an diesem Abend gelesenen Werke

Harald erzählt noch von der Ausstellung der Künstlerin Hannah Höch, die unter anderem als Dada-Künstlerin mit Collagen gewirkt hat. Harald würde sich freuen, wenn sich Gleichgesinnte finden, die gemeinsam zur Ausstellung fahren, die ab 11. Juni in Würzburg zu sehen ist. Da sollte sich doch organisieren lassen – dank 9-Euro-Ticket ist die Anfahrt dann auch erschwinglich.

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2 Antworten zu Verschiedene Zwänge

  1. Harald Riegg sagt:

    Das Zitat bezüglich der Gewaltandrohung lautet sinngemäß: Sei dir gewiss, sollte ich die Fäuste sprechen lassen, werde ich zuvor meiner Barmherzigkeit eine Auszeit gönnen.

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